Carmen Winkler – Privatpraxis Physiotherapie

Zwerchfellatmung: Der einfachste Weg zu mehr Kraft, Ruhe und Leistung

Die meisten Menschen atmen falsch – und merken es nicht. Mit diesen Übungen lernst du die gesündeste Atemtechnik und spürst sofort den Unterschied.

Mach gerade einen Selbsttest: Leg eine Hand auf deine Brust, die andere auf deinen Bauch. Atme jetzt normal ein. Welche Hand hebt sich? Wenn es die Brust ist – willkommen im Club der meisten Menschen. Und gleichzeitig in der Gruppe derer, die von einer gesünderen Atmung profitieren könnten.

Was ist das Zwerchfell – und warum ist es so wichtig?

Das Zwerchfell ist ein Muskel, der wie eine Kuppel zwischen Brustkorb und Bauchraum liegt. Bei einer gesunden Atmung bewegt es sich bei jedem Atemzug auf und ab – und sorgt dafür, dass die Lunge sich optimal ausdehnen kann. Es ist der eigentliche Atemmotor des Körpers.

Problem: Die meisten von uns haben verlernt, das Zwerchfell zu benutzen. Stress, langes Sitzen, schlechte Haltung – all das führt dazu, dass wir in die obere Brust atmen. Zu flach, zu schnell, zu ineffizient.

Was bringt die Zwerchfellatmung?

  • ✅ Effizientere Ventilation: Die Zwerchfellatmung aktiviert die basalen Lungenabschnitte, wo der Großteil des Gasaustauschs stattfindet – mehr O₂ pro Atemzug bei geringerem Atemaufwand
  • ✅ Aktivierung des Parasympathikus: Tiefe Bauchatmung stimuliert den Vagusnerv und senkt Herzfrequenz, Blutdruck und Cortisolspiegel – nachgewiesen durch zahlreiche Studien
  • ✅ Stabilisation der Wirbelsäule: Das Zwerchfell ist Teil des tiefen Stabilisierungssystems – zusammen mit dem Beckenboden, der tiefen Bauchmuskulatur und dem M. multifidus bildet es den sogenannten „Inner Core”
  • ✅ Bessere sportliche Leistung: Durch normalisierten CO₂-Spiegel verbessert sich die Sauerstoffabgabe an die Muskulatur (Bohr-Effekt) – weniger Ermüdung, mehr Ausdauer
  • ✅ Weniger Kurzatmigkeit: Bei COPD, Asthma und Long Covid reduziert die Zwerchfellatmung die Atemarbeit und verbessert die Symptomkontrolle

Übung 1: Die Bauchatmung im Liegen (5 Minuten täglich)

  1. Leg dich auf den Rücken, Knie angewinkelt.
  2. Eine Hand auf den Bauch (Nabel), eine auf die Brust.
  3. Lass die Schultern bewusst nach unten sinken, der gesamte Oberkörper ist entspannt.
  4. Atme ruhig durch die Nase ein – dein Bauch soll sich heben, deine Brust bleibt möglichst ruhig.
  5. Atme entspannt und unhörbar durch die Nase aus – der Bauch sinkt wieder sanft ab.
  6. Kein bestimmtes Zählen – atme in deinem eigenen, natürlichen Rhythmus.
  7. 10 Wiederholungen, 2x täglich.

Übung 2: Sitzendes Atemtraining (im Büro)

  1. Sitze aufrecht, beide Füße auf dem Boden.
  2. Lege die Hände locker auf die Oberschenkel.
  3. Stelle dir vor, dein Bauch ist ein Ballon – beim Einatmen aufblasen, beim Ausatmen entleeren.
  4. Stell dir vor, die eingeatmete Luft fließt bis hinunter ins Becken – lass den gesamten Bauchraum weit werden.
  5. Versuche, die Schultern dabei völlig ruhig zu halten.
  6. 3–5 Minuten täglich reichen für erste Ergebnisse.

Wie lange bis zum Ergebnis?

Das lässt sich pauschal nicht sagen – denn jeder Mensch und jede Ausgangssituation ist anders. Wer grundsätzlich gesund ist und die Übungen regelmäßig macht, wird früher Veränderungen bemerken als jemand, der mit chronischen Atemwegsproblemen oder Long Covid kämpft. Bei schwer Betroffenen ist der Weg oft lang – und das ist völlig normal.

Wichtig ist: Kein Druck, kein Vergleich. Regelmäßigkeit zählt mehr als Intensität. Wenn du das Gefühl hast, nicht weiterzukommen, oder die Übungen Unbehagen auslösen, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass professionelle Begleitung sinnvoll ist.

Wenn du Schwierigkeiten hast, die Übungen korrekt auszuführen, oder wenn Kurzatmigkeit ein chronisches Problem ist, lohnt sich eine professionelle Atemtherapie in Hamburg.

Du willst deine Atmung verbessern?

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